Wingfoil-Safari im Roten Meer: 7 Tage auf einer Luxusjacht
Eine Woche. Kein Neopren. Nur Wind, Wasser und eine Jacht, die jeden Morgen woanders vor Anker liegt.
Klingt nach Werbeprospekt. Ist es auch, ein bisschen. Die Frage ist nur: Hält eine Kite- und Wingfoil-Safari im Roten Meer, was sie verspricht? Und für wen ist das eigentlich was?
Ich scrolle durch Facebook. Ein Post von Red Sea Adventure: Luxusjachten, Wingfoil- und Kite-Safaris im Roten Meer. Ich rufe Werner an. Werner ist der einzige Kiter, den ich wirklich mag. Spontan, ein bisschen verrückt, im besten Sinne. Zwei SMS später sind wir gebucht.
Als Hintergrundprozess lief dabei auch immer eine Erinnerung mit. Vor zwanzig Jahren bin ich mit Aeroflot nach Usbekistan geflogen und zum Snowboarden aus einem Helikopter gesprungen. Gleicher Instinkt. Gleiche Antwort: Ja. Anderes Jahrzehnt.
Ein schwimmendes Wassersport-Camp auf einer Luxusjacht
Red Sea Adventure chartert Luxusjachten und macht daraus Kite- und Wingfoil-Camps auf dem Wasser. Die Vollpension enthält drei Mahlzeiten am Tag und Softdrinks. Die Jacht fährt zu den Spots, du gehst auf s Wasser und wenn Du zurückkommst, steht das Essen auf dem Tisch.
Das ist der Deal. Du planst nichts. Jemand anderes hat sich schon überlegt, wo es hingeht.
Warum sich die Suite gelohnt hat!
Werner wollte die Suite und das war die beste Entscheidung des Trips. Die normalen Kabinen liegen unter dem Speiseraum ohne Fenster und damit ohne Luftzirkulation. Die Mitreisenden haben sich über stickige Luft beschwert. Zusätzlich lag hinten auch noch der Maschinenraum. Unsere Suite lag in der 1. Etage und wir schliefen bei offener Tür. Frische Meeresluft statt Maschinenrauschen. Der Aufpreis liegt bei 100 Euro – für sieben Nächte erholsamen Schlaf ist das kein Luxus.
Apropos Aufpreis
- Standardkabine: 1.100 Euro pro Person
- Suite: 1.200 Euro pro Person
- Leihmaterial vor Ort: 100 Euro pro Person für die Woche
- Flug: extra
Werner und ich haben beide das Material vom Schiff geliehen. Das war günstiger, als Wing, Board und Kite als Sportgepäck mitzuschleppen. Und deutlich entspannter am Check-in-Schalter. Im Nachhinein kann ich für mich jedoch festhalten, dass es einen gehörigen Unterschied macht, welches Foil man unter den Füßen fährt. Eventuell liegt es an mir, jedoch habe ich einen ganzen Tag gebraucht, um mich an das andere Material zu gewöhnen. Das nächste Mal nehme ich mein eigenes Zeug wieder mit!
Unsere Route – die dürfte selten abweichen
Die erste Nacht verbleiben wir am Hafen und richten uns erstmal ein. Eine kleine Orientierung an Bord und früh morgens geht es dann los gen Norden, in den Golf von Suez. Unsere Woche geht vom 14. bis 21. Mai, offenes Meer, Horizont, und irgendwo da draußen: Wind.
Im Golf von Suez liegen mehrere Inseln mit Riffen und türkisfarbenem Flachwasser. Im Verlauf der Woche ankern wir an unterschiedlichen Stellen und 3x am Tag gibt es Taxiboote zum Spot. Vor dem Frühstück, vor dem Mittagessen und vor dem Abendessen. Der Mai ist dafür eine gute Wahl. Der thermische Wind ist stark, und kurz vor Sonnenuntergang leuchtet das Türkis so satt, dass es fast unecht wirkt.
Wingfoil vs Kite Surfing – los gehts
Hier zeigt sich, wie durchdacht das Format ist. Die Jacht ankert und die Kiter werden mit dem Dingi an den Strand gebracht, um dort aufzubauen und zu starten. Wir Wingfoiler springen direkt vom Heck ins tiefe Wasser und düsen los. Niemand kommt sich in die Quere – und mit einem Foil fährt es sich im koralligen Flachwasser ehrlicherweise auch nicht so besonders gut.
Der Knaller: Hier fährst du den lieben langen Tag im Shortie. Statt in Deutschland mit Vier oder Fnf Millimeter Neopren und Schuhen trägt Werner Shorts. Herrlich!










Über die Frage, die niemand gern stellt, reden wir jetzt trotzdem: Was, wenn kein Wind kommt? Von sechs Tagen auf dem Wasser hatten wir vier Tage Wind und zwei Tage Flaute. Ich finde, das ist eine gute Ausbeute. Eine Windgarantie gibt es bei diesem Sport sowieso nicht. Aber, die Jacht verschwindet nicht, nur weil der Wind es tut. An den windstillen Tagen liegst du vor einer Insel mit Riff im Roten Meer und kannst Schnorcheln, Tauchen, vom Oberdeck springen, oder Wasserski fahren. Yep, und das alles ist im Preis inbegriffen. Unglaublich!
Das Leben an Bord
Rund 25 Leute an Bord. Viele Polen, ein Franzose, zwei Kanadier, zwei Amerikaner, zwei weitere Deutsche, Werner und ich. Unterschiedliche Herkunft, ein gemeinsames Interesse. Das ergibt eine große Schnittmenge. Eine Jacht-Safari ist wie eine Klassenfahrt, bei der alle dasselbe Lieblingsfach haben. Der Tag kennt nur drei Zustände: Du bist auf dem Wasser. Du isst. Oder du entspannst. Mehr gibt es nicht zu tun. Das Internet ist so lala und das ist gut so!
Werner ist Familienvater. Für ihn war diese Woche vor allem eins: keinerlei Verantwortung, Planung, Organisation. Es gibt nur um Kiten oder nicht kiten? Das ist auf eine faszinierende Art befreiend.
Für wen ist eine Kite-Safari auf einer Jacht geeignet?
Das ist was für dich, wenn du jeden Tag aufs Wasser willst, warmes Wasser suchst und null Logistik möchtest. Kein Spot-Suchen, kein Restaurant-Suchen, kein Mietwagen. Alles ist geregelt. Du fährst einfach.
Es ist nichts für dich, wenn du deinen eigenen Rückzugsraum und deinen eigenen Zeitplan brauchst. Oder wenn dir eine Woche mit Fremden auf engem Raum zu viel ist.
Wasserspaß. Runterkommen. Sieben Tage ohne einen einzigen Gedanken an Planung. Das mache ich auf jeden Fall wieder.
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