Kapstadt im Realitätscheck
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Kapstadt ist ein Muss: Unser Lifestyle Testdrive in der Mother City

Kapstadt ist keine Stadt. Kapstadt ist ein Dutzend verschiedene Städte – alle am selben Tafelberg angelehnt, alle mit dem Ozean vor der Haustür, und alle mit einem vollkommen anderen Charakter. Die Frage „Könnte ich hier leben?“ lässt sich nicht pauschal beantworten. Die eigentliche Frage lautet: In welchem dieser Kapstädte?

Wir hatten sechs Wochen, um das herauszufinden.

Anreise: Über Witsand in die Mother City

Wir kommen nicht direkt von der Garden Route nach Kapstadt. Dazwischen liegt Witsand – ein winziger Küstenort westlich von Mossel Bay, der sich anfühlt, als hätte jemand eine Pausetaste gedrückt und vergessen, sie wieder loszulassen. Eine Nacht. Nichts passiert. Herrlich.

Dann fahren wir weiter westwärts, und irgendwann öffnet sich die Landschaft und man erkennt von weitem den Tafelberg. Dieser Moment ist jedes Mal magisch – egal wie oft man ihn schon gesehen hat. Kapstadt empfängt uns nicht mit einem bestimmten Viertel oder einem bestimmten Gefühl. Es empfängt uns mit Optionen. Zu vielen Optionen. Genau das ist das erste, was man über diese Stadt verstehen muss.

Die Stadtviertel-Frage: Wo würden wir wohnen?

Vor der Abreise hatten wir ausgiebig recherchiert und es vor Ort dann konkretisiert. Am Ende ist unsere Karte der Kapstädter Möglichkeiten deutlich kleiner als die der Reiseführer.

Atlantic Seaboard

Das sind Ort wie Sea Point, Green Point und Camps Bay. Hier stehen Appartementgebäude, führt eine unendlich scheinenden Strandpromenade am Atlantik entlang und abends versammeln sich Touristen und Einheimische gleichermaßen für die orange-roten Sonnenuntergänge. Das Atlantic Seaboard mit dem CBD ist wohl das Beste, was Kapstadt in Sachen Stadtleben zu bieten hat: Restaurants, Cafés, Abendprogramm und internationales Publikum.

Das Problem: Häuser mit Garten gibt es in unserer Preisklasse kaum, eher auf dem Niveau von München und darüber. Leider ist ein Haus mit Garten ein nicht verhandelbarer Punkt und somit scheidet diese Gegend leider für uns aus.

Die südliche Halbinsel

Der interessierte Südafrikatourist hat die Namen vermutlich schon mal gehört. Muizenberg, Kalk Bay, Fish Hoek, Glencairn oder Simon’s Town. Alle Orte teilen sich die identische Küstenlinie der False Bay – auf der einen Seite das Meer und Berge an Land. Hier dominieren Grundstücke mit Ein- und Mehrfamilienhäusern, von denen man den Sonnenaufgang allmorgendlich bestaunen kann und auch im Wasser baden kann, ohne an Kältestarre zu sterben. Hervorzuheben ist hier die doch sehr unterschiedliche Atmosphäre der einzelnen Orte.

Am oberen Ende der False Bay liegt Muizenberg und verbreitet aus jeder Pore Surfer-Vibes. Die bunten Umkleiden am Strand sind ein beliebtes Fotomotiv und die Promenade ist gesäumt von einem Surfer Laden nach dem anderen. Wenn Du Surfen lernen möchtest, dann doch bitte in Muizenberg. Im Osten grenzt es allerdings an die ersten Ausläufer der Cape Flats – die Slums von Kapstadt – und das ist eine geografische Realität, die man kennen muss.

Ein paar Autominuten gen Süden und Du landest in Kalk Bay. Die Bewohner und die Läden sind künstlerisch angehaucht, verkaufen sehr individuelle Bilder und Möbel, dazwischen gibt es lecker essen. Gleich darauf folgen Fish Hoek und Glencairn. Beide Orte liegen in sich nach Westen erstreckenden Tälern und bieten am Südhang die gerade im Winter beliebte Sonneneinstrahlung. Doch jahreszeitenunabhängig geht hier die Sonne auch später unter als zum Beispiel in Muizenberg. Wer dort die Lage falsch wählt, sitzt nachmittags schon im Schatten.

Der letzte größere Ort an der Ostseite der Halbinsel ist Simon’s Town . Dieser Marinestützpunkt erlangte weltweite Berühmtheit dank seiner Pinguin Kolonie. Die kleinen wracktragenden Meeresbewohner tummeln sich hier in Scharen am Strand und bieten perfekte Fotomotive. Allerdings erleben wir Simon’s Town Ende September und manche mögen es idyllisch nennen, doch es ist schon befremdlich wenn die lokalen Geschäfte gegen 16 oder 17 Uhr schließen und die Straßen verlassen wirken. Je nach Lage verschwindet die Sonne hier auch früh hinter den Bergen.

Fazit: Die südliche Halbinsel bleibt auf unserer Liste – aber nur in sehr spezifischen Lagen.

Constantia & Rondebosch

Breite, baumgesäumte Straßen und teilweise riesige Grundstücke, die oft auch in Weinberge übergehen. Hier wohnt das alte Geld von Kapstadt. Gut situierte Familien, die seit Generationen hier wohnen prägen hier das Ambiente. In Kapstadt hält sich hartnäckig das Bonmot, dass Constantia das Geld hat und Camps Bay es zeigt.

Constantia ist wunderschön, ruhig, grün und mit Bergsicht. Wenn wir nicht unbedingt am Meer wohnen wollen und Geld keine Rolle spielen würde, dann wäre hier der Ort für ein Haus.

Milnerton & Blouberg

Bloubergstrand kennt praktisch jeder Windsurfer und Kiter. Hier hat man zweifellos den besten Blick auf den Tafelberg. Wenn Ende November Red Bull King of the Air hier stattfindet, zeigt es, dass die Winde legendär sind.

Wir mieten eine Ferienwohnung in Milnerton für vierzehn Tage – und brechen nach sieben ab. Das Viertel wird manchmal das „Miami von Kapstadt“ genannt: flach, modern, lange Straßen, Beton, Hitze. Am Strand selbst ist es spektakulär. Abseits davon fühlt es sich nicht wirklich sicher an. Wir können das nicht rational begründen – es ist ein Bauchgefühl, und das Bauchgefühl sagt: nicht hier.

Milnerton und Blouberg fallen von unserer Liste.

Unser Alltag: Märkte, Saunieren und Sport

In Sedgefield war der Wild Oats Market der Höhepunkt des Wochenendes. Kapstadt hat gleich zwei Äquivalente: den Oranjezicht City Farm Market und den Old Biscuit Mill Market in Woodstock. Samstags oder sonntags wird hier frisches Essen an unzähligen Stände von lokalen Händlern zubereitet. Es gibt keine vernünftige Entschuldigung, hier nicht mindestens einmal zu essen.

Die andere Kapstadt-Entdeckung, die sich sofort in den Alltag einschleicht: mobile Saunen an den Tidal Pools. Entlang der gesamten Halbinsel stehen Anhänger mit Saunen – sowohl auf der Atlantik, als auch auf der False-Bay-Seite. Das Prinzip: erst ins eiskalte Meer, dann in die Sauna auf dem Anhänger. Die Sitzung buchst Du praktisch über eine Webseite und fühlst Dich anschließend herrlich motiviert. Auch das Morgenritual aus Sedgefield führen wir weiter. Ab ins Meer für ein paar Schwimmzüge – ehrlicherweise ist das Wasser auch an der False Bay zu frisch für lange Strecken, doch als morgendlicher Wachmacher eignet es sich hervorragend. Die False Bay hat im Sommer um die 18 bis 20 Grad; das klingt erträglich.

Wandern rund um Kapstadt

Kapstadt bietet alleine mit dem Tafelberg Nationalpark unzählige Varianten für Wanderer. Zum Einen natürlich der Aufstieg zum 669m hohen Lion’s Head zum Sonnenaufgang inklusive Ketten und Leitern. Merke: früh genug starten, damit man vor dem ersten Lichtschimmer oben ist. Zum Anderen die zahlreichen Wege auf den Tafelberg selbst. Hervorzuheben ist hier unserer Meinung nach eindeutig die Route durch die Skeleton Gorge. Oben angekommen stehst Du an einem See mit schneeweißem Sandstrand.

Die Gipfel Elsie’s Peak & Chapman’s Peak sind sicherlich ebenso lohnenswert wie viele andere Wanderrouten rund um die Metropole (siehe auch Video).

Wingfoilen in Kapstadt: Die Spots im Überblick

Es muss nicht extra erwähnt werden, dass Kapstadt ein Mekka für Kiter, Windsurfer, Wellenreiter und Wingfoiler ist. Die Stadt liegt praktisch an zwei Ozeanen, bietet stetigen Wind und schönes Wetter. Dennoch erwähnen wir passende Spots für Anfänger und Fortgeschrittene im Wingfoilen. Kurz erwähnt sei natürlich, dass der Surfer sich in Muizenberg in die Wellen wirft und der Kiter eher am Bloubergstrand vor der tollen Tafelberg Kulisse springt. Doch Long Beach nördlich von Simon’s Town eignet sich hervorragend für Flachwasser Liebhaber. Der Wind ist ein wenig unberechenbar – je mehr von Südosten, desto besser, aber die Kaimauer des Hafens schützt vor hohen Wellen und ein breiter Strand verzeiht auch das Abtreiben im Wind. Wer bereits mit Wellen umgehen kann, wählt eine Bucht nördlicher: Glencairn Beach. Hier bist Du an windigen Tagen in guter Gesellschaft von Windsurfern und Kitern. Noch eine Bucht nördlicher liegt Fish Hoek Beach.

Der Zandvlei (Lakeside) ist ein Süßwassersee mit Ruderclub im Surferparadie Muizenberg. Wichtig ist hier ein kurzer Mast <70cm. Die geringe Breite des Sees zwingt zu vielen Halsen und Wenden; ideal zum Üben. Und zu guter letzt unser Favorit im Norden Kapstadts: Rietvlei. Gegenüber von Blouberg liegt dieser Watersports Club in einem Naturschutzgebiet. Mitgliedschaft oder ein nettes Gespräch am Eingang öffnen den Schlagbaum zu einem Süßwassersee mit stetigem Wind und einer netten Wassersport Gemeinde. Das Panorama ist einmalig. Du fährst die ganze Zeit vor dem Tafelberg, Lion’s Head und Signal Hill auf und ab. Himmlisch.

Lecker Essen reicht vom Straßenimbiss bis zum Sternekoch

Nach mehr als sechs Wochen in und um Kapstadt haben wir eine ziemlich gute Orientierung, was sich lohnt. Das hier ist nicht mal ansatzweise eine vollständige Liste – aber eine ehrliche.

Unser Fazit

Kapstadt ist gleichbedeutend mit Vielfalt. Es lohnt sich die unterschiedlichen Atmosphären einzufangen und einzuordnen. Das eine Viertel hier bietet ein völlig anderes Leben als zehn Minuten weiter den Hügel hinauf. Nach sechs Wochen haben wir Orte von der Liste gestrichen und andere nach oben geschoben. Wir haben Spots gefunden, zu denen wir immer wieder zurückgekehrt sind. Und wir haben in mindestens einer Nacht auf einen Tidal Pool geschaut und gedacht: Das hier ist kein Urlaub mehr.

Bilder


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